Klimaanlagen und Wasser anpflanzen
- Diana Auwärter
- vor 1 Tag
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 11 Stunden
Am Wasser sparen, wenn ein großer Baum soviel kühlt wie 5 Haushalts-Klimaanlagen, die 24 Stunden laufen?

Viele Freiräume bleiben bei Hitze leer und auch die sozialen Begegnungen trocknen dadurch aus.
Im Juli standen wir in Bad Säckingen mit unserem Erdverbesserer-Stand auf der Gartenmesse im wunderschönen Schlosspark. Wie viele Regionen, hatte auch diese am Rhein zur Schweiz bereits seit Tagen unter großer Hitze gelitten. Viele Besucherinnen und Besucher berichteten uns, dass ihre Gärten braun geworden seien und sie kaum noch etwas pflanzen wollten oder konnten.

Diese Erfahrungen machen deutlich, wie stark Hitze und Trockenheit unseren Blick auf den Garten verändern. Wenn Pflanzen vertrocknen, wirkt es naheliegend, aufzugeben und die Reste einfach sich selbst zu überlassen.
Es scheint zunächst logisch: Wo nichts wächst, muss auch nicht gegossen werden. Kein Grün bedeutet keinen Pflegeaufwand, keine Gießpläne, keine Sorge vor dem nächsten Urlaub. Wer auch in der Nachbarschaft überall braune Flächen sieht, akzeptiert vielleicht vertrocknete Pflanzen als neue Normalität?
Ist kein Grün wirklich wassersparend?
Lebendige, bewachsene Erde ist kein Gegensatz zum Wassersparen – im Gegenteil. Pflanzen, Bodenorganismen und Humus tragen dazu bei, Wasser im System zu halten.
Über Verdunstung und Transpiration entstehen Kühlung, Luftfeuchtigkeit und Wolkenbildung. Damit wird der natürliche Wasserkreislauf unterstützt. Und dieser Kreislauf ist entscheidend für Regen, Ernte, Bodenfruchtbarkeit, Kühlung, Luftreinigung und beeinflusst auch unser wirtschaftliches Wohlergehen.
Ein Baum mit der Wirkung von 5 Klimaanlagen
Ute Scheub und Stefan Schwarzer schreiben in ihrem Buch Aufbäumen gegen die Dürre – Wie die Natur uns helfen kann, den Wassernotstand zu beenden:
An einem normalen sonnigen Tag kann ein einziger großer Baum durchaus rund 400 Liter Wasser transpirieren und seine Umgebung mit der unglaublichen Energie von 70 Kilowattstunden pro 100 Liter kühlen. Das entspricht 5 Haushalts-Klimaanlagen, die 24 Stunden laufen.“ (Seite 67)
„Ungefähr die Hälfte aller Niederschläge, die auf Kontinente fallen, wird vom Land selbst produziert, und davon bis zu 80 Prozent von Pflanzen“ (Seite 68)
Diese Erkenntnisse veranschaulichen: Pflanzen sind keine bloßen Verbraucher von Wasser. Sie sind vielmehr existenzielle, aktive Mitgestalter der Kreisläufe des Lebens. Durch Verdunstung kühlen sie ihre Umgebung und fördern so die Wolkenbildung und den Niederschlag.

Wasser aufnehmen und abgeben
Entscheidend ist nicht nur, wie viel Regen fällt, sondern auch, wie gut die Erde ihn aufnehmen kann.
Der US-amerikanische Rancher Gabe Brown beschreibt in seinem Buch Aus toten Böden wird fruchtbare Erde - Eine Familie entdeckt die regenerative Landwirtschaft, wie schnell Wasser früher von seinem Acker abfloss, als der Boden es noch nicht gut aufnehmen konnte. Als seine Familie 1991 die Ranch übernahm, dauerte es eine Stunde, bis 12 Millimeter Wasser versickert waren.
Wir erinnern uns vielleicht nicht mehr genau, aber in den letzten zwei Jahren bot sich uns in Deutschland auch öfter ein Landschaftsbild mit viel stehendem Wasser auf den Feldern. Zwar hat es viel geregnet, doch ist Wasser, das kaum versickern kann, kein gutes Zeichen für den Hochwasser- und Erosionsschutz.
Das weiß auch Gabe Brown auf seiner Ranch. Haut das Wasser von seiner Ranch ab, fließt schnell in Flüsse und landet ggf. im Meer, ist es für seine Ranch auf lange Sicht verloren. Nicht mal den Grundwasserspiegel und die Brunnen füllt es so auf. Stattdessen bildete er mit der Natur ein Team und wurde reich belohnt. Er schreibt:
„Wegen der guten Krümelstruktur, die wir Mykorrhizapilzen und anderen Bodenlebewesen zu verdanken haben, war die Versickerungsgeschwindigkeit bis zum Jahr 2009 auf über 250 Millimeter pro Stunde angestiegen. Der Boden war in der Lage riesige Mengen an Wasser aufzunehmen.“ (S. 201 - 202)
Dieses Beispiel zeigt eindrucksvoll, was lebendige Erde kann. Wasser kann im unterirdischen Lebensraum gespeichert und für Pflanzen lange verfügbar bleiben. Das funktioniert auch vor unserer Tür, selbst in Kübeln mit dem Effekt: Weniger gießen, mehr genießen, Kreisläufe schließen.
Der Erdverbesserer als Wasserspeicher
Genau hier setzt der Erdverbesserer an. Mit ihm bringst Du Mykorrhizapilze und Bodenleben in Deine Erde. Die veredelte Pflanzenkohle ist bereits mit diesem Leben durchtränkt. Ihre Poren bieten Raum für Feuchtigkeit, schützen Mikroorganismen und unterstützen den Aufbau einer stabilen, lebendigen Erde.
So entsteht ein lebendiges System, das Wasser besser hält und Trockenphasen besser abpuffern kann mit einem vierfachen Speichereffekt:
durch die Pflanzenkohle selbst, die in ihrer groben Porenstruktur gut Wasser bereit hält
durch Mykorrhizapilze, die wie Verlängerungskabel den Wurzelraum der Pflanze vergrößern und somit das Wassereinzugsgebiet für die Pflanze erhöhen.
durch Mikroorganismen, die eine stabile Krümelstruktur und zusätzlich wasserspeichernden Humus aufbauen.
durch das Zusammenspiel zwischen Pflanze und Bodenleben: Pflanzen geben Zucker in die Erde ab, der wiederum Wasser bindet und Mikroorganismen ernährt.
Nutzen wir gerade in solchen Zeiten die Chance, unsere Erde und Pflanzflächen so zu gestalten, dass sie Wasser besser aufnehmen, speichern und wieder abgeben können?
Den Wasserfluss verlangsamen, heißt Wasser retten
Bauen wir durch und mit der Natur Strukturen auf, die Regen und Gießwasser aufnehmen, festhalten und langsam wieder abgeben:
Balkone, Terrassen, Carports, Dächer, Hinterhöfe und Gärten vielfältig begrünen
Wasser wiederverwenden, etwa das Salatputzwasser zum Gießen.
Wasser auf der eigenen Fläche sammeln und speichern – auch auf dem Balkon.
Statt Hitze und Trockenheit zu verstärken, entsteht ein kühleres, widerstandsfähigeres Umfeld.... und das hilft auch unserem eigenen Kreislauf!
Der Wasser-Zinseszins
Die eigentliche Aufgabe ist nicht, möglichst wenig Wasser zu verbrauchen. Die Chance ist, Wasser schlau, von der Natur abgeschaut, im System zu halten. Genau das gelingt mit lebendiger Erde, vielfältiger Bepflanzung und einer Gartenpraxis, die auf Regeneration statt auf Verlust setzt.
Wenn Du also heute etwas für morgen tun willst, dann beginne mit der Erde. Denn wo Erde lebendig ist, kann Wasser gespeichert werden. Und wo Wasser gespeichert wird, kann wieder Leben entstehen.
Egal, was Du konkret umsetzt: Fühl Dich verbunden mit allen Menschen, die gestern, heute und in Zukunft etwas für unser Wasser tun.
Wie meine wertgeschätzte liebe Freundin Betty aus Wales, die mit 104 Jahren im Juli 2026 gestorben ist. Zur „Feier ihres Lebens“, wie es dort heißt, war ihr letzter Wille für Spenden für Water Aid aufzurufen. https://www.wateraid.org/uk/our-work/water
weiterführende Links:
Riesige Unterschiede bei der Wasser-Infilitration auf gleichen Böden, unterschiedlich bearbeitet https://www.youtube.com/watch?v=ZQc3dpY8JjY
Pflanzen gegen Hitze: Ein Waldgarten auf dem Balkon │Querbeet https://www.youtube.com/watch?v=NAQkiriYyWY ARD Garten
Graf Magazin mit Tipps
Sehen, was möglich ist: Filmtipps von Beispielen aus aller Welt:




